Mukoviszidose
Mukoviszidose: Diagnose

Fälle und andere multimediale Materialien zum Lernen!
In Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien und deren Serviceeinrichtung
"Medical Media Services" finden Sie hier Lehrmaterial in Form von
Lehr-Krankengeschichten und Lehr-Fallsammlungen zum Thema "Zystische Fibrose"!
Autoren: W. Klepetko, P. Jaksch
Mukoviszidose (Cystische Fibrose, CF)
Definition
Autosomal-rezessiv vererbliche Erkrankung, bei der eine pathologische Zusammensetzung der exokrinen Drüsensekrete zu charakteristischen sekundären Organveränderungen führt.
Häufigkeit
- Inzidenz in weißer Rasse 1:2.000 bis 1:3.000, 5 % der Bevölkerung sind heterozygote Merkmalsträger
- häufigste angeborene Stoffwechselstörung
Pathophysiologie
- Ein genetisch (auf Chromosom 7) fixierter, noch unbekannter primärer Stoffwechseldefekt äußert sich in einer Dyskrinie der meisten exokrinen Drüsen;
- es wird ein abnorm eiweißreiches, elektrolytreiches und hoch visköses Sekret produziert.
- Als Folge entwickelt sich ein Sekretrückstau, der längerfristig zur Gewebsschädigung in den betroffenen Organen führt.
Anamnese
- Familienanamnese (Stammbaum!)
- Früher durchgemachte bronchopulmonale Erkrankungen, aktuelle respiratorische Probleme
- Stuhlanamnese
- Allgemeine Anamnese: Gewichts- und Wachstumsverlauf, körperliche Leistungsfähigkeit, Appetit etc.
- Beginn der Symptomatik, altersspezifische Symptome
Symptome (siehe auch Tabelle)
Bronchopulmonale Symptome
- Frühzeichen: trockener (oft pertussiformer) Husten, rezidivierende (meist asthmoide) Bronchitiden und Pneumonien
- Spätere Symptome: Auswurf, blutig tingiertes Sputum, Dyspnoe, asthmatische Beschwerden (allergische bronchopulmonale Aspergillose bei 15 % der Patienten), fassförmiger Thorax, Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel, Zyanose
Durch Pankreasinsuffizienz bedingte Symptome
- Voluminöse, fettglänzende, faulig riechende, oft periodisch durchfällige Stühle, die vermehrt Neutralfett und Eiweiß enthalten
- Eiweißmangelödeme, Anämie, Vitaminmangelerscheinungen (vor allem bei unbehandelten Säuglingen)
- Dystrophie, vermindertes Längenwachstum
- Heißhunger, vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern; bei älteren Patienten mit chronischen Infektionen eher Appetitmangel
- Aufgetriebenes Abdomen, Rektumprolaps (20 % der unbehandelten Säuglinge und Kleinkinder)
- Mekoniumileus: fehlender Abgang von Mekonium innerhalb 48 Stunden, Obstruktionssymptome, evtl. peritonitische Zeichen (Darmperforation, Mekoniumperitonitis)
- Mekoniumileus-Äquivalent: hartnäckige Verstopfung, oft verbunden mit kolikartigen Bauchschmerzen, bei totalem Darmverschluss Vollbild eines mechanischen Ileus; häufig schleichender Beginn
Hepatisch bedingte Symptome
- Ikterus neonatorum, seltener Ikterus im späteren Lebensalter
- Gallenkoliken, Cholezystitis-Symptome
- Portale Hypertension mit den möglichen Folgen einer Splenomegalie, eines Hypersplenismus (Thrombopenie!) und einer Ösophagusvarizenbildung
- Symptome einer Leberinsuffizienz (sehr selten)
Kardiale Symptome
Je nach Grad der Rechtsherzinsuffizienz Hepatomegalie, sichtbare Halsvenenstauung, gastrointestinale Störungen, Ödeme, Aszites etc.
Folgen der veränderten Schweißzusammensetzung
Salziger Körpergeschmack, Kollapsgefahr bei starkem Schweißverlust
Sonstige Symptome
- Sterilität bei Männern
- sekundärer Diabetes mellitus
- chronische Sinusitis
- Polyposis nasi
- gastroösophagealer Reflux (bei 5 % der Säuglinge und Kleinkinder als Folge rezidivierenden Erbrechens)
Diagnostik
Diagnosefindung
- Schweißtest: Chloridkonzentration im (iontophoretisch gewonnenen) Schweiß > 60 mmol/l; sicherste Untersuchungsmethode, jedoch erst ab dem 3. Lebensmonat
- Trypsinogen-Bestimmung im Fersenblut des Neugeborenen (bei CF meist erhöhte Konzentration)
- Pränatal: gentechnologischer Nachweis veränderter DNA-Abschnitte auf Chromosom 7 (CF-DNA-Sonde) in Chorionzottenbiopsien erfasst Großteil der betroffenen Kinder
Häufige Organmanifestationen bei Mukoviszidose
| Organ | Pathologische Anatomie | Symptomatik | Ursache | Häufigkeit | Manifestationsalter |
| Lunge | Atelektasen, Emphysem, Mikroabszesse, Bronchiektasen, Fibrosierung | Bronchitiden und Pneumonien *), chronischer Husten, Auswurf, Dyspnoe, Zyanose | Sekretbeschaffenheit, Superinfektionen | fast obligat | variabel, oft Säuglingsalter |
| Herz | Cor pulmonale | Symptome der Rechtsherzinsuffizienz | Lungenveränderungen | häufig | meist präfinal |
| Pankreas | zystische Degeneration und Fibrose oder Lipomatose | Maldigestion, Dystrophie, Rektumprolaps | Sekretbeschaffenheit | ± 90 % | meist Säuglingsalter |
| Pankreas | Schädigung der Inselzellen | Diabetes Mellitus ohne Ketoazidose | Insulinmangel | ± 10 % | > 10 Jahre |
| Darm | Ileus durch: Mekonium, eingedickten Kot | Mekoniumileus, Mekoniumileus-Äquivalent | Stuhlbeschaffenheit | 10-15 % selten | Säuglinge meist > 10 Jahre |
| Leber | grobknotige Leberzirrhose | portale Hypertension, Hypersplenismus Ösophagusvarizen | Störung der Gallensekretion | 5-10 % | meist > 10 Jahre |
| Leber | Cholelithiasis, Cholezystitis | Gallenkoliken etc. | Störung der Gallensekretion | bis 30 % | meist > 10 Jahre |
| Schweißdrüsen | – | salziger Körpergeschmack, Neigung zu hypernatriämischer Dehydratation | Elektrolyttransportstörung | obligat | Säuglingsalter |
| Vas deferens | Atrophie (intrauterin entstehend) | Sterilität durch Azoospermie | unbekannt | > 95 % | postpubertär |
| HNO-Bereich | Hyperplasie d. Schleimdrüsen, Polyposis nasi | behinderte Nasenatmung chronische Sinusitis | Sekretbeschaffenheit | 25 % selten | variabel |
*) Erreger:
Bei jüngeren Kindern: vor allem Staphylokokken, Haemophilus influenzae
Bei älteren Patienten: vor allem Pseudomonas-Spezies, auch Proteus, Klebsiellen, Serratia
Verlaufsdiagnostik
- Verlaufskontrolle von Länge, Gewicht, Thoraxumfang
- Allgemeine Laboruntersuchungen: Blutbild, Elektrolyte, Transaminasen, Gerinnung, BKS, CRP, Immunglobuline, Eisen etc.
- Spezielle Laboruntersuchungen (je nach Fragestellung): Hb A1c, Gallensäuren, Lipoproteinstatus, Chymotrypsin im Stuhl, IgE, RAST auf Aspergillus etc.
- Bakteriologie: Sputum, evtl. tiefer Rachenabstrich
- Lungenfunktionsprüfung
- Röntgen: Thorax a.p. und seitlich
- CT
Familiendiagnostik
- Suche nach spezifischen DNA-Veränderungen bei Verwandten
- Schweißtest bei Geschwistern
Differenzialdiagnose
Maldigestion
Bronchopulmonale Symptomatik
- Chronische Bronchitis anderer Ursache (z. B. Tbc, Fremdkörperaspiration), Keuchhusten
- Angeborene Bronchiektasen, Mittellappen-Syndrom, lobäres Emphysem
- Primäre Ziliendyskinesie
- Bronchiale Hyperreagibilität
- Herzerkrankungen (Vitien, Fibroelastosis endocardica)
Intestinale und pulmonale Symptomatik
- IgA-Mangel und andere (vor allem kombinierte) Immundefekte
- Shwachman-Syndrom (Pankreasinsuffizienz, Neutropenie)
Komplikationen
- Intestinal: Invagination, Volvulus (meist als Folge eines Mekoniumileus)
- Pulmonal: Pneumothorax, Mediastinalemphysem, Hämoptoe
- Sonstiges: Ösophagusvarizenblutungen, rezidivierende Pankreatitiden
Prognose
- Ohne Therapie Letalität in den ersten Lebensjahren 90 %
- Bei früher Diagnose und adäquater Therapie Letalität bis zum 20. Lj. <20 %, mittlere Lebenserwartung: 30 Jahre
Merke
- Bei klinischem Verdacht Schweißelektrolytbestimmung
- Progredienz kann durch symptomatische Therapie aufgehalten werden
- Die notwendige Kalorienmenge zuführen, auch bei Appetitmangel
- Physiotherapeutische Maßnahmen und körperliches Training sind enorm wichtig
- Regelmäßige Betreuung in spezialisiertem Zentrum unbedingt anstreben
|
Nachruf Prof. Helmut Mittermayer
|
EHA-Kongress: Bendamustin im klinischen Alltag
|
Jahrestagung 2010 der OEGGG in Zell am See
|



